Schnee vom letzten Jahr – damals erste Antworten, Februar 2010
… auf die Frage, was den „ruhrberliner“ an Berlin eigentlich so verdriesst ?
(Lange ham’wer drauf gewartet !) – Teil 1:
Na, was denn?
- z.B. der Mangel an „Urgestein“
Überall machen sich Zugerreiste breit, von der Metropolität angezogen, aus aller Welt, na gut. Besonders in Friedrichshain durchpflügen zusätzlich Massen internationaler Tages- und billig-reisen-Touristen die Warschauer, Grünberger, Kopernikus- und Simon-Dach-Strassen – jung, hipp, und auf der Suche nach angesagten Clubs, mit der Option der völligen Enthemmung in der Fremde, aber das machen sie erst später, eigentlich erst am frühen Morgen.
Aber erstmal, so ab 20 Uhr, spucken S- und U-Bahn im 3-min-Takt jede Menge people aus, folglich treten Menschen sich auf Füße. Das machen sie im Ruhrgebiet auch, wie ich hörte und mir schon dachte. In Berlin-Zehlendorf ist’s natürlich schon wieder anders, aber da komm ich ja nie hin.
- die lokale Identität
die Authentizität des Ortes, die „realness“, entsteht durch’s Schmelztiegeln vieler Ideen, den Austauschmöglichkeiten Vieler, die von diesem offenen Konzept angezogen werden, und womöglich den eigenen, von ihnen als „Provinzen“ empfundenen Herkunftsorten entfliehen; einem Mythos folgend.
Den nenn’ ich den Hauptstadt-Hype. Und an dem knabber’ und nag’ ich; frag’ mich laufend, was hass’ ich, was mag ich ?
Erstmal aber rufe ich allen pleitegeiernden Ruhrgebietskommunen und lokalen Individualisten die bekannten und munteren Worte zu: „Auch Ihr seid sexy !“(jetzt bitte kein Helau ! zurück, das gibt dann wieder Punktabzug.)
- die Selbstzerknirschung:
Werd’ ich zu alt für diese hippe Stadt ? Bestimmt, das kommt so mit den Jahren.
Oder hip’ und hyp’ ich hier nicht ausreichend mit, tummle mich nicht in den Kreisen der Kreativschaffenden, wohne nicht in Mitte oder anderen angesagten Bezirken, und hab’ ich’s nicht geschafft ? Möglich, da kann was dran sein.
- der Reim:
ich bin’s seit Kindheit schon gewohnt,
das Umzieh’n und das Jetzt-mal-ganz-Woanders,
zuerst durch Vater’s Hand, und später dann mehr selbstbestimmt:
Ist’s irgendwo nicht länger heiter, zieh’ ich schnell blank, und gehe weiter.
Das hab’ ich, scheint’s, die letzten 20 Jahre doch versäumt.
- die Medien …
… plakatieren diesen Hype und ikonografieren fleissig vor sich hin, die Realität nehme ich meist kleiner und alltäglicher wahr (ick wohn’ hier auch nur inner Strasse !).
Die politische Hauptstadt mit ihrem dauernden Staatsbesuch- und Achtung-wichtig-Gedöns, vertont es mit aufdringlichem Helikoptergeschraubse und polizeilich-ambulantem Lalülala-Galama und gibt sich auch nicht wirklich Mühe. Klingt zwar nach Hongkong, ist dann akustisch aber doch nur Stress.
vielleicht sollte ich auf eine einsame ruhige Insel ziehen,
statt erst noch mal ins Ruhrgebiet zu schielen ?
[und wer feilt dann die phätten Reime ?]
- Watt ich anfett’, fett’ ich an ! / un’ watt ich anfett’, mach’ ich jut / fett’ ich’s an, kriegt’s ‘n Fleck ! … (für büshido) -
Zur Ausgewogenheit noch mal F. Goosen und sein A40 – wo sein Opa sagt: „Woanners is auch Scheisse …“,
un’ wat sein Oma sacht … also …
links von gestern
… zum Thema Ehrenmord in Essen (fucked-up Dirleti), Erna-Vögeln, f***in’ pi-news, gucci & me; und zum gelsenklan
Could be everywhere …
das ist ausgebreitetes detail. und dattet nun zufällig im ruhrgebiet … die kommentare sollte man auch dazu lesen. verwirrend bis berechtigt.
es geht auch anders. flacher, weiterhin ernsthaft kopfschüttelnd, doch mit sympathie (auch hier die kommentare lesen):
Erna fertig mit Vögeln
die regelmässigen pi-news (politically incorrect) liegen mir da schwerer im magen. die artikel schrapseln ja immer so an der scheinbaren journalistischen ausgewogenheit entlang, aber die nebenan bannerverlinkten zusatzartikel bringen mich regelmässig ins grübeln und gruseln.
Milva & gucci ist im alert ja immer wieder vertreten und erschlägt durch harmlose Abgründe. Da ich denen immer offen stehe, hier mein voting (wenn auch zu viel zu spät): mach blond, mädel !
abgesehen, dass mich die wortwahl „gelsenclan“ begeistert, heult in diesem artikel wieder eine gemeinde (und ich nehme an, zu recht) über ihre haushaltssituation. und deren verweis zu weiteren artikeln unter der rubrik: „dat kannze auchma lesen“ verspricht zwar nicht spannendere lektüre, belegt aber, dass kultur und politik nicht so einfach zu trennen sind. (idee: ick werd’ da mal ne klagemauer aufmachen, so digital, an der jeder gegenwärtige bürgermeister der 53 local-heroes-gemeinden sich abklagen kann).
am Samstag abend noch schnell meinen exil-mülheimer (ich nenn’ ihn ab jetzt nur noch den Exil-Kubaner, dit kommt flüssiger) in meckporn angerufen, bevor unter der schneelast die leitungen endgültig zusammenbrechen.
Wir wurden uns fast einig, dass jetzt eigentlich faschos-kloppen-können besser wär’ als schnee-schippen-müssen.
alles eine frage des klimas.
Was ist ein Ruhrrandgebiet?
Mosaik aus Ennepetal flickrt immerhin als erste meiner Kommentare zu seinen ersten Kommentaren, aber nur auf seiner Seite ‘rum, mault von wg. „ruhrrandgebiet“
Aber, liebes Mosaik : erzähl mir nix von wegen EN ist mittendrin !
Beleg: link area map lt. wikipedia.org.Und Ennepetal hab’ ich mir auf der Karte noch genauer gesucht.
So sieht das für mich aus. und das sieht nach Rand aus; die gefühlte Mitte ist natürlich ein anderes Thema.
Warum wird beim Stichwort “Kulturhauptstadt” immer gleich auf Lesungen, Tanztheater, Bildausstellungen und Blockflötengruppen verwiesen, wenn doch eine Berichterstattung über lokale Ereignisse bereits über „Kultur“ berichtet, bzw. sie darstellt. Lokalpolitik und regionale Befindlichkeiten (von mir aus der kreisende Pleitegeier, Schützenfeste, Silberhochzeiten oder Gelöbnisproteste) kann man doch nicht trennen von den (inszenierten) Veranstaltungen der sog. „schönen Künsten“.
Die Ruhr am Strand
Dass mich dieser Link aus dem noch ferneren Thailand erreicht, belegt ja wohl nur den exotischen Aspekt der Region (und wo datt Volk überall so rumhängt).
Die Ruhrgebietssprache – mit ersten Sprachregeln, grober Grammatik und nützlichen Kose- und Schimpfworten.
Endlich kann ich dem Vokabeln lernen (… näherkommen – sagt mich mein hochdeutsches Sprachempfinden)
Dankeschön.
erste links
heute ein paar der links, die ich bereits erwähnt habe oder die aus anderen gründen bei mir hängen geblieben sind:
1. eine ausführliche und lokalpolitisch fundierte berichterstattung über eine ratssitzung in ennepetal. respekt ! aus diesem thema hat er wirklich etwas unterhaltsames herausgeholt. man lebt und leidet direkt mit … (und jetzt noch mal in 200 wörtern
) Mosaik – die bunte Zeitung aus dem ennepe-ruhr-kreis
2. zum thema: auch istanbul ist kulturhauptstadt
- „Das Ruhrgebiet wird stark von Türken und ihrer Kultur mitgeprägt. Allein in Nordrhein-Westfalen leben etwa 900 000 Menschen türkischer Herkunft, davon etwa die Hälfte im Ruhrgebiet.“, schreibt shihirli irgendwo auf gofrm.com/forums/ (das find’ ich aber nicht wieder und alles steht dort inzwischen auf türkisch) und berichtet über geplante zusammenarbeiten zwischen den kulturhauptstädten.
- der zeit-online-artikel bleibt da etwas offizieller und nichtssagender, vermittelt aber zumindest einige aussagen der politischen schlipsträger:
tiefer bin ich in die materie noch nicht eingedrungen,
denn beim googeln streifte mich ein artikel von „politically incorrect“ und ich driftete ins thema rechtsradikalismus ruhr ab. da muss ich (mich) erst noch mal ein bisschen sammeln und überlegen, wie ich das überhaupt publiziere.
nachtrag 5, 16.-20. januar
16+17. jan: ich arbeite an der text- bzw. linksammlung und sammle querdurch, von istanbul-ruhr-kontakten und –berichterstattung über kumpel braucht image-berater reports, schmähende kommentare zu herb’s hymne, rechtslastige grenzwertigkeiten und ausgleichend-informative linkspublikationen; und der rathaus report aussem ennepe-ruhr-kreis dreht auch ganz schön am rad. die links kommen in kürze.
+++
20. jan, frühmorgens (1 h):
sollte mal reflektieren, was dieser blog eigentlich darstellt. (m)ein abgedrehtes fluchtszenario ? manifestation meiner berlin-verdrossenheit ? was verdriesst mich denn wieso ? keine ahnung oder zumindest noch kein text, also doch keine ahnung.
- dann im alert den rechtsradikalismus ruhr entdeckt. ist ja auch ein thema. auf der seite von politically incorrect (pi.scheissseite.de, ich weiss gar nicht, ob ich sowas verlinken soll), hab mich noch gar nicht zu genauerem inhaltlichen check überwinden können, dafür aber wenigstens kurz darauf die linke balance auf einer anderen seite gefunden (der kommt in die linksammlung, pi wohl auch, einfach um eine harte ruhrpottrealität zu dokumentieren, mal sehen, clicks sollen die von mir nicht kriegen).
der innere druck , dieses private ruhr-gemauschel online zu stellen, wächst, denn mein momentaner zugang zur ruhr ist die pure verhandlung eines abstraktums, diese region könnte auch neben togo liegen. also wirklich !
was mache ich ? eine fern-ethnographische untersuchung – auf netzbasis – keine teilnehmende, aber dafür eine beobachtende, sammelnde, sortierende, themenerweiternde, und immer wieder subjektives geplänkel einfliessen lassende … was ? – in fachkreisen geht das schon mal als qualitative forschung durch – dazu eine begleitende selbstanalyse und hinterfragung der eigenen motive.
genau !! und vor allem: ab jetzt ist schluss mit den nachträgen, der blog geht in die echtzeit !
nachtrag 4, 12.+13. januar
habe nach subkultur ruhr2010 und alltagsblogs gegoogelt, da fand ich nix so wirklich dolles. entweder unlesbar lange texte oder mir nichtssagendes band-namen-geklapper, dark, black and gothic anmutungen (web designs). und bin zum schluss doch nur auf nem t-shirt-link gelandet, auf dem mich rechtsaussen mich tatsächlich so ein wort wie „kinderstrickmütze“ anblinzelte. huuh ! commercial sackgasse.
manfredinblack.blog war heute der ansprechendste blog, weil er am entspannendsten erzählte, statt über aktuelles überzuschäumen. platz 2 ist bis jetzt noch die zufällig gefundene diplomandin (?), die sich beschwert, wie sie bitteschön ihren bereits angemieteten camper wieder loswerden soll, um doch noch bei den 2-3 strassen mitzumachen (wo sie sich doch als eine der ersten beworben hat). das war zwar nicht sehr erhellend, aber immerhin alltag.
13januar
war ja nicht viel, seit gestern.
heute hab ich meinen alert wieder abgegrast.
-bin auf online zeitung „der freitag“ gestossen,
der zweite artikel (kollateralnutzen) gefiel mir noch besser als das genörgel über herbie’s hymne (der link kommt noch). dieser erich schütz hat gut recherchiert und gibt einblicke „für aussenstehende“. das politisch-tendenzielle und die gelegentliche unsachlich werdende und subjektive polemik kann man ertragen, und macht ja auch spass, bei all den fakten.
- diese formatierung mit der word-autoformatierung von 3 bindestrichen in eine durchgezogene linie, die man nie wieder unter kontrolle bekommt, macht mich fertig.
- nevertheless, was war noch ? – erste mentale zweifel an der umsetzung dieses projekts, so aus der ferne … ein gespräch mit schwester 1 erinnert mich daran, dass schwester 2′s homebase in münster liegt und damit ein perfekter standort für ausflüge ins ruhrgebiet ist. die motivation stabilisiert sich wieder.
- hans-werner henze – den werd’ ich mir schon geben, da reis’ ich an, soll’n doch die schalke-fans ruhig pöbeln, ick steh zu meiner hochkultur, na, zumindest kann ich sowas hören und in berlin ist neue musik auch recht rar.
im freitag wird da eine hochkultur hier sogenannten „flatrate-events“ gegenüber gestellt. das fest auf der A40 rückt da als mega-kleinkünstlerfest erneut in meinen fokus, natürlich, die love-parade wird irgendwo dort mitmischen, aber da kann mensch sich ja optional und real dutzende von kilometern entfernt halten. medial ist das auch nicht mehr in gänze zu erfassen. es sei denn, die mittel sind vorhanden, um einen vergleichbaren manpower aufwand wie für „24 stunden berlin“ zu ermöglichen. gibts da projekte ? überlegungen für ein internet-portal, in dem sich dieses fest im web 2.0 stil manifestiert ?
morgen mehr …
nachtrag 3, vom 11. januar
heute mittag erst mal einen google alert eingerichtet und die blogs durchforstet, nach subkultur blogs statt major blogs – ttt wiedergefunden, endlich fritz pleitgens’ aufgabe als sprecher r10 erkannt, ca 2h live-doku auf phoenix gesehen, bzw. auf dem online recorder abgelegt, weil soviel ruhr schaff’ ich auffem sofa nicht am stück.
dann oder zwischendurch die andere kulturhauptstadt istanbul gegoogelt. kommt vergleichsweise gar nichts an info, das beste war noch der dlf-beitrag von wem ? und die schlagzeile „korruptionshauptstadt statt kulturhauptstadt ?“, historische gebäude, tunnel unterm bosporus, erdogans (oder erdoyans?) nähkästchen, künstlerbeschwerden (projekt: let the blind take photographs and read).
mein kumpel hakan von gegenüber, 22, köln- bzw. berlintürke, weiss davon gar nichts, hat’s nicht auffem schirm, schlaumeiert und erzählt mir, aber istanbul is doch garnich hauptstadt ! – ich korrigiere „kultur ! hauptstadt“ und ernte „was issen das ?“, also erkläre ich ein bisschen, rate ihm von einer vermutlichen telefon-lottogewinn-abzocke ab, verrate ihm, dass venedig in italien liegt.
dabei gibt’s doch jede menge türken, sowohl an ruhr als auch in berlin. das muss sich doch langsam rumgesprochen haben, in den gemeinden.
muss ich mal angoogeln. deutsch-türkische, bzw. deutschtürkische partnerschaften/kooperationen anlässlich ruhr/istanbul 2010 … (istanbul im 1. quartal des 1. elements, der „erde“, entlang der ruhr läuft dieses thema seit 150 jahren.)
sie legen sich ganz schön ins zeug, anderruhr, fürdieruhr, schon gestern auf die neue hymne von herbert gestossen, und jetzt noch mal mit bildern bei phoenix gesehen – na ja, die werde ich wohl noch öfters hören, wenn ich am thema dranbleibe.
fussball war bei phoenix auch ein thema, wie stiefmütterlich es doch bei ruhr 2010 behandelt, wo doch so ein identifikation-stiftungstum. mir fallen bilder von vor 2 tagen ein – verabschiedung otto köhlers (?? da muss ich beim auskenner nachfragen), eine überzeugende verabschiedung eines fussballer-idols und wie sie sich gegenseitig grandios und herzerwärmend feiern (da bleibt der moonwalk kalt links liegen), das war schon beeindruckend und inszeniert.
okay – hallo ? hier kommt mein zweites leichtes vorbedenken (das erste sind die vielen autobahnen, die alles erst zu diesem verbundenen städte-gürtel machen, und daher bestimmt ständig das areal durchschneiden und staumeldungen produzieren).
vorbehalt 2 ist: fussball. bei meiner ignoranz fussball gegenüber, werden da eine ganze menge alltags- oder tresengespräche wegfallen. aber nicht wirklich dramatisch, dieser vorbehalt, ich lebe in grosse stadt mit exzessivem fussballwahn, und ich komm damit klar, kann es umgehen, finde genug andere, die sich auch nicht für fussball interessieren …
autobahnen sind da wesentlich unumgänglicher und negativ belegt; der wahrscheinlich guterschlossene öffentliche-personen-nahverkehr (öpnv) ist dagegen absolut reizvoll, das beruhigt mich und erfüllt ein grundbedürfnis: gewährleistung einer besser funktionierenden, weil autofreien mobilität in einem erträglichen radius von 45min s-bahn ab wohnort. ich glaube, da kommt man im ruhrgebiet ganz schön rum (in den plan: 1 tag s-bahn durchs rgb, auch busse, oder tram oder schwebebahn, rikschas, taxi)
ausserdem bei phoenix:
schöne doku über ruhrlandschaft innerhalb des phoenix nachmittags (s.o.). natürlich beeindruckend inszeniert, aber damit auch ansprechend, gerade die randgebiete, und wann hatte ich vergessen, dass die ruhr im hochsauerlandkreis ihren anfang nimmt ? elli’s einkaufladen umme ecke war auch guter beitrag, die kinderaufbereitung in der wasseraufklärungsstelle ruhr (die mit den mikroskopen) war auch für nicht-eltern ganz beruhigend und positives puzzle-stück im ruhr’10 kaleidoskop
nachtrag 2, vom 10. januar
00:15 ist es, 10.jan. und damit 2. tag der medialen ruhrfestspiele – bin spät dran, aber komme ich noch rechtzeitig?
möp, auf der suche nach alltagsblogs im netz komm ich ja grad gar nicht weiter – hab ich das mit dem bloggen falsch verstanden ? alles commercials und pressemitteilungen, aber herbert’s hymne krieg ich schneller als sein muss zu hören.
- mir fällt ein gespräch ein:
joe’s irritierter blick zum thema ruhr2010 und sein sprech von berlin als permanenter und optimaler kulturmetropole. gerne bin ich jederzeit bereit, alles und von vornherein und statistisch über einen zeitraum von 1980 bis 2010, in frage zu stellen und ggfs. emotional durchzudiskutieren. wir sitzen in unseren sesseln und betreiben ein bisschen kulturtheoretische wahrnehmungsphilosophie, dann schweifen wir ein wenig ab und fragen uns unausgesprochen, warum die beatles nie im ruhrgebiet, dafür aber im franzclub gespielt haben (oder haben sie doch ?). später sollten wir eigentlich kohlen aus dem keller holen und ein bisschen ans ruhrgebiet denken.
noch eins:
mein bekannter ist journalist in bochum und nennt seinen schwerpunkt wirtschaft/politik, dass er noch nicht weiss, was er von dem ganzen halten soll, aber auch keine wirklichen ambitionen zu einer kulturberichterstattung hat. gerade für ruhr 2010 gehen wirtschaft, politik und kultur doch wohl hand in hand und man muss nur die richtigen fragen formulieren.
und:
mein exil-mülheimer in meckpom frozzelt wie immer, erzählt was von frank goohsen (hm?) und nennt mir ecken, an denen es auch heute noch richtig schlimm ist. oder war es dort langweilig ? oder redete er schon wieder von seinem dorf ?
+++ was gibt’s zu tun ? wie komm’ ich hier weiter? +++
kontinuierliches recherchieren, medienmässig am ball bleiben, sortieren und ausspähen der 2.500 kultur events – mer trenne die spreu vom weizen, was ist hochkultur, was streetwork, wie giesst die kulturkanne ? das erfordert kontinuität, disziplin, bereitschaft zur unendlichen datenverarbeitung.
+++
aber ohne anwesenheit läuft ja gar nichts, wird das projekt abstrakt, also muss ich da irgendwann, irgendwo hin, besser gesagt, ich will statt muss und auf jeden fall … läuft bis dahin mein täglich upgedateter blog ? werde ich mich dann an irgendeinem bordstein niederlassen, mein laptop (oder aktuelles utensil) aufklappen, mich ins w-lan einloggen und getippte eindrücke online stellen ? mich noch mal wie 19 und als rasender reporter fühlen ?
okay, hier müssen wir noch mal ein wenig an der motivation arbeiten, am herausmeisseln der ernsthaftigkeit, dem hervorheben der eigenen wischtichkeit. na ja, nur nicht einschüchtern lassen von den jungschen bloggern, find your style, kontinuierlich weiterschreiben und sehen, was passiert.
ja, danke kai, das tat gut. eine gute idee (schreib sie dir auf zettel und häng sie dir an jede wand und jeden joghurt, den du isst) – der spezielle blickwinkel ist der zaudernde zu-lang-berliner, der die substanz einfach mal abklopfen will, und neugierig auf der suche nach angenehmen mitmenschen, klischees und perspektiven ist.
in den medien am 10jan:
ein tatort krimi im ruhrgebiet milieu und 2010 thematik – in ttt wieder mehr – henze-jahr, oh ja, und 2-3 strassen, ein interessantes projekt, weil es das praktiziert, was ich auch gemacht hätte wollen, wenn ich früher von gewusst hätte, aber da 2-3 strassen als offenes und mitschreib-besuch-projekt konzipiert ist, werde ich’s mir vormerken ( wer war da im beitrag: ein stegmüller mit seiner japanischen lebensgefährtin ? lars schnunzel ? das in duisburg lebende exponat ?)
nachtrag 1, 09. januar
wie alles anfing:
09. januar: es startet die kulturhauptstadt ruhrgebiet. da sollte ich was schreiben, über mein interesse an einer mir eigentlich ziemlich unbekannten region. woher kommt das denn ? naja, das ruhrgebiet ist eben meine option. wenn mich mal wieder der überdruss packt und ich überlege, noch mal in ein anderes ballungsgebiet in deutschland zu ziehen.
das könnte das ruhrgebiet sein, weil: (jetzt kommen die ersten klischees)
- diese ballung von zusammenhängenden städten, da habe ich gleich ein bild von einem „city belt“ vor augen, so ähnlich wie in w. gibsons cyberpunk romanen beschrieben, nur nicht so futuristisch. geschlossene stadtfläche also. ist das jetzt ein pluspunkt für das ruhrgebiet ? aber es soll ja auch viel grün geben.
- über 5 mio einwohner, auf so viele städte verteilt, da sollte jede/r eigentlich alles und jeden finden können, was berlin in seiner kompaktheit auch anbietet.
- es gibt trockenen humor, eine andere mentalität, bisher ist mir noch keine/r aus dem ruhrgebiet blöd gekommen, und der hauptstadt-hype wär’ auch vorbei.
leider habe ich die seit 2006 existierenden vorbereitungen zur kulturhauptstadt oder z.B. den 2-3strassen-anmeldeschluss im letzten herbst verpasst und der zug ist schon weg;
also mach ich das so, stelle meine notizen zum thema ins netz. kommentare und gedanken zur eigenen motivation, fundstücke aus der medialen berichterstattung, gespräche mit z.B. exil-mülheimern und überzeugten vollberlinern über mögliche berlin- oder ruhrgebiet-boni, über das, was man hier so fern von der ruhr überhaupt wahrnimmt.
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